Fachtagung zur Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Lande brachte konkrete Vorschläge

Bad Birnbach / Vilsbiburg. Die ärztliche Versorgung auf dem Lande ist ein aktuell den Kommunen auf den Nägeln brennendes Thema. Ähnlich wie beispielsweise in den Bereichen Bankfilialen, Apotheken, ÖPNV, Pflegeversorgung und früher dem Tante Emma-Laden (da haben es die großen Lebensmittelfilialisten über die Köpfe der Kommunen selbst gelöst) muß auch bei der ärztlichen Versorgung „über den Tellerrand“ hinaus die Lösung gefunden werden. Direktor Albert Griebl, Vorstandsmitglied des Marktführers VR-Bank Rottal-Inn aus Pfarrkirchen, brachte es bei seinem Grußwort „Was einer allein nicht vermag, das vermögen viele“ auf den Punkt.

Um ein zentrales Ergebnis vorab zu formulieren: Bei der Bad Birnbacher Fachtagung kam fast niemand mehr auf die Idee, konkrete kommunale Lösungen von Seiten der Politik oder einer Kassenärztlichen Vereinigung zu erwarten. Vielmehr sind die Bürgermeister als entscheidende Akteure vor Ort im Rahmen der Daseinsvorsorge in die Pflicht zu nehmen. Sie müßten sich allerdings, so Bürgermeister Bernd Sommer aus Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth, um überhaupt ihre eigenen Ressourcen dazu bündeln zu können, neu gegenüber ihren Wählern positionieren und dafür werben: Weniger Vereins- und Geburtstagsbesuche und für mehr konzeptionelle und nachhaltige Detailarbeit zum Thema. Übereinstimmend mit anderen Referenten stellte er seine jahrelangen zuletzt erfolgreichen Lösungsschritte recht ausführlich und plastisch dar. Sein Kollege Thomas Dengler, Bürgermeister von Falkenstein im Landkreis Cham arbeitete heraus, daß dabei auch das Glück dazugehört um Zeitfenster und Chancen in eine zeitliche Übereinstimmung zu bringen.

Deutlich weiter holte Rechtsanwalt Hans-Joachim Schade von der Arztrechtskanzlei Broglie, Schade & Partner aus. Die viel zu geringe Wahrscheinlichkeit von weniger als zehn Prozent auf eine sich selbstregulierende Einzelnachfolgeregelung bei Landärzten sowie, daß vier Fünftel dieser Einzelpraxen nicht zukunftstauglich sind, erzwingt folgerichtig größere und leistungsfähigere Einheiten von Arztpraxen und delegativen Strukturen. Nur so kann der Arztnachwuchs attraktive und akzeptable Strukturen vorfinden. Erst dann, so auch Sebastian Dresbach, Geschäftsführer vom Zentrum für Telemedizin, Bad Kissingen, bestehe die Möglichkeit, die von ihm beispielhaft aufgezeigten Chancen der Telemedizin zu nutzen. Wie Prof. Dr. Horst Kunhardt vom European Campus Rottal-Inn im Vortrag davor ausgeführt hatte, werden heute 67 Prozent der Arbeitszeit für Dokumentation und sonstige Bürokratiearbeit verwendet.

Bei Gabriele Dostal von der dostal & partner management-beratung GmbH, Vilsbiburg stand der Lösungs- und Umsetzungsprozess mit seinen drei unterschiedlich langen Phasen „Start – Präzisierung – Realisierung“ mit jeweils teilweise recht unterschiedlichen Beteiligten vor Ort, dem Bürgermeister aber immer als zentralen Akteur, im Vordergrund. Sie erweiterte die von Rechtsanwalt Schade zum Beispiel als neue Akteure einzubeziehende Wohlfahrtsverbände um weitere, für eine jeweilige Lösung zu identifizierenden und zu gewinnenden Akteure. Dazu gehören unter anderem die Vertreter aus den vielzähligen Gesundheitsberufen, die Investoren/Immobilienbesitzer, die Betriebe, die Nachbarkommunen und die Landkreise. Das Aufgabenfeld für diese Partner ist umfangreich und reicht über Aufsicht, Kreisentwicklung, ÖPNV, Unterstützung von Pilotpraxen, Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit bis hin zur Bereitstellung von Ressourcen. Vorangegangen war die Darstellung von Gabriele Dostal zu den heutigen Planungs- und Fördergrundlagen der KVB sowie die relevanten Marktvolumina und die Bevölkerungsentwicklung als zu berücksichtige Parameter.

Die über 40 anwesenden Landräte, Bürgermeister, Stadträte und Vertreter einiger GesundheitsregionenPlus aus vier Regierungsbezirken nahmen den notwendigen Paradigmenwechsel der neuen Rolle der Bürgermeister als den zentralen Lösungsbaustein mit. Zur Annahme dieser neuen Zuständigkeiten baute Prof. Dr. Kunhardt, hier unter Verweis auf den 7. Altenbericht, den Kommunen, bei seinem Referat eine belastbare Brücke: Das kommunale Gesundheitsmanagement ist eine grundgesetzlich abgesicherte Gestaltungsaufgabe. Dazu können „Runde Tische“ zum Thema Gesundheit als Einstieg dienen. „Die abzuleitenden Lösungswege von allen Referaten – je nach individueller Ausgangslage der Kommunen auszugestalten – lassen sich griffig als ‚Praktiker-‚ ‚Demographie-’ und ‚Wettbewerbsmodell’ umschreiben. Der Wertbeitrag einer Einzelnachfolgeregelung reicht dabei nicht aus“, so der Initiator der Veranstaltung, Adrian W.T. Dostal vom Unternehmer-Netzwerk Xundland in seinem abschließenden Fazit.